Text: Heinz Birkenheuer

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4. Gemeinschaftseinrichtungen

4. 1 Legionstherme

Die Legionstherme, einer der drei größten Gebäudekomplexe innerhalb der Lagerumwehrung, lag neben der PRINCIPIA an der VIA PRINCIPALIS. Sie war nur für die stationierten römischen Soldaten und ihre Vorgesezten bestimmt. Die in der Lagervorstadt lebenden Bürger hatten keinen Zutritt zu dieser Anlage. Aus hygienischen Gründen und zur Vermeidung von Krankheiten wurden die römischen Soldaten in festgelegten Abständen zu der Thermen geführt.



Ergänzter Grundriss der 6.100 qm großen Legionstherme in Novaesium

Grafik: Heinz Birkenheuer

Aus den Fundamentresten lässt sich nur schemenhaft eine Raumzuordnung der Legionsthermen erkennen. Auffallend sind die drei Großräume, von denen zwei mit einer Bodenheizung ausgestattet waren. Die runden Absiden an den Kopfenden der Großräume und die gefundenen Abwasserleitungen deuten auf eine große römische Badeanlage innerhalb des Legionslagers hin.



Rekonstruktion der Legionstherme im Lager Novaesium

Modell: H. Birkenheuer u. L. Kirchmeyer

Foto: H. Birkenheuer


Die Thermen waren wegen ihrer ausgefallenen äußeren Erscheinung eine Besonderheit zwischen den zweckmäßigen Militärbauten. Um das Regenwasser von den zusammenhängenden Dächern abzuführen, war großes Könnens der römischen Baumeister erfordelich. Bei einer Fläche von 75 mal 81 Meter musste das Wasser ohne Dachrinnen in Kaskaden über die Dächer zu den äußeren Lagerstraßen geleitet werden. Um genügend Tageslicht in den innen liegenden Räumen zu bekommen, waren zusätzliche Giebelhöhen und Dachgauben notwendig, was zu ungewöhnlichen Dachhöhen führte.



Seitenansicht auf die großen Badehallen

Modell: H. Birkenheuer u. L. Kirchmeyer

Foto: H. Birkenheuer


Außer der üblichen Fußboden- und Wandheizung gab es in der Thermen eine Gemeinschaftstoilette mit Wasserspülung. Um eine optimale Nutzung sicherzustellen, musste die aufwendige Wasser- und Heiztechnik ohne Unterbrechung betrieben werden. Große Mengen von Frischwasser und Heizmaterial mussten ständig zur Verfügung stehen.
Bei den bisherigen Rekonstruktionsbemühungen konnte nicht geklärt werden, wie die großen Mengen von Frischwasser zu den Thermen gelangten. Bisher wurden keine Anzeichen eines Wasserspeichers oder einer von außerhalb kommenden Wasserleitung entdeckt. Es gibt Vermutungen, dass 40 Km oberhalb der Erft, über eine zum Teil hölzerne Leitung das Frischwasser ins Lager geleitet wurde. Konkrete Beweise gibt es jedoch nicht.